15.09.2018 – Lange Nacht der Demokratie – Die Frauen der APO

„68“ – eine Zahl, die zum Mythos wurde. Doch was steht dahinter? Manche, die dabei waren, brüsten sich damit, als hätten sie damals den Ritterschlag erhalten. Für andere ist es ein Schimpfwort. „68“, die Außerparlamentarische Opposition, die APO-Zeit, die „Studentenbewegung“ ist in den nachfolgenden Jahren ganz nach persönlichem Belieben mythisiert worden. Die antiautoritäre Erziehung, Happening-Aktionen, die Frauen- und Friedensbewegung, Bürgerinitiativen und viele neue phantasievolle Wege im Umgang miteinander in Politik, Kultur und Ökologie haben in dieser Zeit ihre Wurzeln. Das Jahr 68, Symbol für einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel, steht auch für den Beginn einer neuen Frauenbewegung in der Bundesrepublik.

2018 – 50 Jahre nach der 68er-Bewegung zeigt die Berliner Fotografin Ruth E. Westerwelle ihre Foto- Ausstellung über die weibliche Seite von 68, die oft viel zu wenig Beachtung findet. Für diese Arbeit reiste sie zu unzähligen Aktivistinnen, interviewte und fotografierte sie. Darüber hinaus forschte sie jahrelang in Foto-, Presse-Archiven, um visuelles Material zu den Frauen auszugraben.

Anlässlich der Langen Nacht der Demokratie präsentiert die Autorin ihre Ausstellung in digitaler Form. Es sind berührende Schwarz-Weiß-Porträts der Frauen, sie zeigen die individuelle Stärke, wie auch die Verletzungen dieses oft experimentellen Lebens. Dazu erzählt Ruth E. Westerwelle aus dem Leben dieser ehemaligen Aktivistinnen: ihren biografischen Hintergrund, was sie 68 gemacht haben und was danach aus ihnen wurde. Eingeleitet wird der Vortrag mit einem kurzen Abriss zu 68 generell.

Nach dem Vortrag steht Frau Westerwelle für Fragen zur Verfügung und plaudert noch gerne über die Zeit aus weiblicher Sicht, die in Teilen eine andere war als die heute Veröffentlichte. Man könnte den Bogen mit dem Satz spannen: vom Sommer der freien Liebe hin zum Winter der Alleinerziehenden.

Eine beeindruckende Ausstellung für die Frauen, die seit Ende der 60er Jahre bis in die Frauenbewegungszeit der 1970er und 80er Jahre diese Umbrüche aktiv mitgestaltet haben, für ältere Frauen, die feststellen werden, dass sie nicht in Vergessenheit geraten sind und für junge Frauen, die neugierig sind auf die Frauen vor ihnen, deren Engagement es zu verdanken ist, dass sie heute ein wesentlich ungezwungeneres Leben führen können als ihre Großmütter.

Ruth E. Westerwelle ist Fotografin, Dozentin, Autorin, Kuratorin, und Gründerin des Berliner FotoSalons. Die Ausstellung, die 2014 im Willy-Brandt-Haus in Berlin offiziell eröffnet wurde und seither durch die Bundesrepublik reist, wird zur Langen Nacht der Demokratie in Straubing gezeigt –in digitaler Form.

 

Datum: 15.09.2018

Beginn: 20.00 Uhr

Ticket: Veranstaltung gehört zur “Langen Nacht der Demokratie”

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